Körper und Psyche: Wie Entzündungen Depressionen auslösen

Depressionen haben ihren Ursprung nicht allein in der Psyche. Immer deutlicher zeigen Studien: Oft sind Entzündungen im Körper mit im Spiel. Wie stark steuert das Immunsystem unsere Gefühlslage?

Wie eng Krankheit und Psyche miteinander zusammenhängen, zeigt unser alltägliches Verhalten: Wer krank ist, zieht sich zurück, schläft viel und isst wenig. "Ein lapidarer grippaler Infekt bewirkt psychische Veränderungen", sagt Erich Kasten, Neuropsychologe an der Medical School in Hamburg. Experten sprechen vom "Sickness-Behaviour", also Krankheitsverhalten. "Biologisch ergibt das Sinn, denn in Ruhe funktioniert das Immunsystem deutlich besser", so Kasten.
Der Rückzug und die Antriebslosigkeit gehören aber auch zu den Symptomen einer echten Depression. Und eine krankhaft niedergedrückte Stimmungslage macht wiederum anfälliger für Infekte. Die Vermutung liegt daher nahe, dass das Immunsystem auch bei der psychischen Erkrankung eine tragende Rolle spielt. Bedeutet das, dass es bei Depressionen immer auch Entzündungsherde im Körper gibt? Und kann die Verstimmung zukünftig nicht nur mit klassischen Antidepressiva, sondern auch mit Antibiotika und Entzündungshemmern erfolgreich behandelt werden?
Was im Körper bei einer Immunreaktion passiert

"Ob Depressionen selbst eine Infektion oder eine Autoimmunkrankheit sind, ist weder bewiesen noch widerlegt", sagt Neuropsychiater Gold. Biomarker wie etwa für bestimmte Krebserkrankungen gibt es bislang nicht. Bei der Entstehung können genetische, immunologische, hormonelle und psychologische Faktoren ebenso eine Rolle spielen wie der Stoffwechsel auch. "Sicherlich ist nicht jede Depression immunologisch gesteuert", meint Gold. "Aber es gibt eine relevante Untergruppe, die besser identifiziert werden muss."
Tatsächlich steuern die Signalmoleküle der körpereigenen Abwehr nicht nur Blutzellen an und regulieren die Abtötung von Keimen, sie greifen auch in den Stoffwechsel des Gehirns und damit in unsere Psyche ein. Daran beteiligt sind zahlreiche Botenstoffe, vor allem die sogenannten Zytokine. Sie koordinieren das Immunsystem, kurbeln es an oder fahren es herunter. Zu ihnen zählen Interferone, die grob gesagt für die Abwehr von Viren zuständig sind, Interleukine, die für die Kommunikation zwischen den Zellen zuständig sind und Fieber auslösen, und der Tumornekrosefaktor, der entartete Zellen abtöten kann.
Matt, antriebslos und krank durch viele Zytokine
Im Blut von Depressiven konnten Forscher in verschiedenen Untersuchungen deutlich höhere Konzentrationen des Tumornekrosefaktors und bestimmter Interleukine als im Blut von Gesunden finden. Auch bei Menschen mit einer bipolaren Störung fanden Wissenschaftler ähnliche Veränderungen. Von der Höhe der Zytokinwerte aber wiederum auf das Ausmaß der psychischen Beschwerden zu schließen, ist nicht möglich.Aktive Immunzellen im Gehirn
Depressionen oder Burn-out werden häufig mit Stress in Verbindung gebracht. Auch dabei könnten die Zytokine eine wichtige Rolle spielen: Wer gestresst ist, schüttet viel Cortisol aus, und das Immunsystem wird zunächst in Schach gehalten. Auf Dauer nimmt vermutlich die Empfindlichkeit des Körpers für die dauerhaft hohen Cortisolspiegel ab. Die Zytokine werden wieder aktiv, und wir werden krank - und niedergeschlagen.
Einen weiteren Beleg für den Zusammenhang von Entzündungen und Depressionen legten kanadische Forscher kürzlich vor: Sie hatten die Gehirne von Depressiven und Gesunden mittels Positronen-Emissions-Tomografie miteinander verglichen. Dabei zeigte sich deutlich, dass bestimmte Immunzellen bei den Kranken deutlich aktiver waren als bei den Gesunden. "Unsere Ergebnisse liefern den bisher überzeugendsten Beweis für eine Entzündung im Gehirn während einer schweren Depression", sagt Studienautor Jeffrey Meyer vom Center for Addiction and Mental Health in Toronto.
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